Schottland-Island-Grönland

Kreuzfahrt mit der AIDAcara vom 15. Juli bis zum 5. August 2018

Die Route in der Übersicht


Alle Mann an Bord! Leinen los!

Sonntag, 15. Juli 2018, 18:00 Uhr

Das Gepäck hatten wir im Hotel zurückgelassen, weil es weder im Cruise Center noch in der Fischauktionshalle eine Gepäckaufbewahrung gibt. Aufgrund des Triathlons haben wir beschlossen, zu viert mit vier Koffern und vier Rucksäcken mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen.....

Wir - also ich - hatten die romantische Vorstellung, dass es eine schöne Einstimmung sei, per Fähre anzureisen. Im Nachhinein betrachtet war das eine ausgesprochen schlechte Idee: die Fähre war derart überfüllt und die Schlange so lang, dass wir von der U-Bahnstation Landungsbrücken bis Dockland mit Gepäck laufen mussten. Taxi war Fehlanzeige, weil die Strecke wegen des Triathlons abgesperrt war. Die Stimmung war bei Eintreffen auf dem Schiff entsprechend. Insofern mussten wir uns erst mal mit einem Bier und einem Jubi stärken. So nahm das unheilvolle Schicksal eines feucht-fröhlichen Ankunftstages resp. -abends seinen Lauf. Der Junior hat nach gefühlten zehn Minuten bereits einen Seelenverwandten gefunden und ist von wenigen Auszeiten abgesehen pausenlos mit ihm unterwegs. Das Welcome Dinner im Selection Restaurant war insofern jugendfrei und insgesamt lecker, wenn auch nicht mehr auf dem überragenden Niveau, das man aus dem Rossini gewohnt war. Offenbar sind die Jungs schon dem halben Schiff bekannt, zynische Zungen nennen die Jungs "Duo infernale". Die erste Poolparty hat bei angenehmen Temperaturen richtig Laune gemacht, die ersten Bekanntschaften sind - eher zufällig - nun auch real statt bisher nur virtuell gemacht.


Montag, 16. Juli 2018 - 1. Seetag - Auf dem Weg nach Schottland

Es ist ungemein entspannend mit einem Seetag in eine Kreuzfahrt zu starten. Hinzu kommt, dass die mitreisenden Herren am Anreisetag bei der Poolparty ein wenig abgestürzt sind.

Es ist strahlendes Wetter und trotzdem habe ich am Fantreffen teilgenommen. Die ersten bisher virtuell geschlossenen Bekanntschaften haben wir auch schon abends kennen gelernt.

Der Tag verläuft ruhig mit Sport, Schlaf und dem Besuch des Lektorenvortrags. Allerdings bekomme ich wenig mit, weil mich nach fünf Minuten bereits die Müdigkeit übermannt und ich einen gepflegten Mittagsschlaf halte. Teilweise mag das auch an der eher monotonen Vortragsweise des Lektors liegen. Im Lauf der Reise werde ich seine - teils ungewollte - Komik verstehen und mich gut amüsieren.

Nach dem Verfassen des ersten Tagesbeitrags ist der Akku leer und wir stellen mit Entsetzen fest, dass wir keinen Adapterstecker von Schweizer Steckern auf deutsche Steckdosen dabei haben. Leider ist auch die Rezeption nicht damit ausgestattet.

Wir sprechen Schweizer Gäste an, leider erfolglos.


Dienstag, 17. Juli 2018 - 8:00 bis 18:00 Uhr - Invergordon, Schottland

Unsere biologischen Uhren haben die Zeitumstellung nicht mitgemacht. Dafür werden wir beim Morgenkaffee um 6:00 Uhr auf dem Pooldeck beim Einlaufen in den Firth of Moray mit der Sichtung der ersten Delfine belohnt.

In der Poolbar gibt es nicht nur die einzige vernünftige Kaffeemaschine und damit den besten Kaffee an Bord sondern auch den einzigen geniessbaren Frühstückskaffee. Hinzu kommt, dass um diese Uhrzeit kein anderes Restaurant offen hat.

Die britischen Behörden führen eine face control an Bord durch, unabhängig davon, ob man das Schiff in Invergordon verlässt oder nicht. Das Ganze geht aber trotz rund 1'300 Passagieren recht zügig von Statten.

Wir übernehmen unseren Mietwagen am benachbarten Pier. Allerdings verschlechtert sich das Wetter während der Fahrt nach Loch Ness zusehends. Eindrücklich ist Urquhart Castle aber allemal, nur Nessie haben wir nicht gesehen J. Wir beschliessen, auf die Weiterfahrt zum Glen Affric und eine Wanderung zu verzichten und fahren nach Inverness.

Inverness ist ein hübsches, etwas verschlafenes Städtchen. Wir geniessen den Blick vom Schloss aus und flüchten wegen einsetzenden stärker werdenden Regens in ein Einkaufszentrum. Auf den Besuch der Whiskey Distillery verzichten wir und klappern statt dessen die Elektronikgeschäfte nach einem Adapter ab. Wiederum erfolglos.

Wie bereits in Irland hat der Fahrer zeitweise Probleme mit dem Linksverkehr. Wir biegen links in eine Strasse ab und das Familienoberhaupt kommt auf der rechten Spur raus. Hinter uns setzt wildes Gehupe ein und ein Polizist auf einem Motorrad weist energisch auf die linke Spur- Glücklicherweise hält er uns nicht an und überholt uns mit deutlich mehr als der erlaubten Höchstgeschwindigkeit.


Mittwoch, 18. Juli 2018 - 2. Seetag - Auf dem Weg nach Island

Wir mobilisieren die Rezeption und den Fotoshop mit dem Ansprechen von Schweizer Gästen zur Ausleihe eines Adapters. Wenn auch wiederwillig erlaubt die Rezeption uns das Begutachten aller jemals zurückgelassenen Stecker, nur ist da zufällig auch keine Schweizer Ausführung dabei.

Ich gönne mir einen Faszienworkshop und bin nun in Besitz einer Faszienrolle. Der Referent ist als ausgebildeter Physiotherapeut nicht nur äusserst kompetent sondern auch sehr sympathisch.

Abends landen wir eher zufällig als geplant in der Show von Eric Paisley. Wir sind hingerissen, der Mann kann nicht nur singen und Gitarre spielen sondern vermittelt dem Publikum die neuere Musikgeschichte höchst unterhaltsam.

In der Kabine finden wir eine Nachricht, dass eins der Kinder, das in den Vortagen den Kids' Club besucht hat, an Windpocken erkrankt ist. Dieser Kelch wird an unserem Junior vorbeigehen, denn diese Kinderkrankheit hat er selbst durchgemacht.


Donnerstag, 19. Juli 2018 9:00 bis 17:00 Uhr  - Seyðisfjörður, Island


Bei der Einfahrt in den Fjord sichten wir aus der Ferne Wale. Auf die Entfernung ist eine genauere Bestimmung nicht möglich, aber aller Wahrscheinlichkeit und der geringen Grösse nach sind es Schweinswale.

Wir nehmen das erste Tenderboot und finden das "Joystick house" von Hlynur direkt. Der Geldautomat ist im Supermarkt quasi um die Ecke. Nur scheitert der erste Versuch, isländische Kronen zu ziehen. Erst nach einem eine gefühlte Ewigkeit dauernden Telefonat mit der Bank stellt sich heraus, dass keine Abbuchung stattgefunden hat. Während ich Geld abhebe spricht das Familienoberhaupt Schweizer Wohnmobilisten an, die von der Fähre kommen. Er schafft es tatsächlich, einen Mann zum Verkauf seines Adapters zu überreden, aber dann kommt dessen Frau dazu und der Deal platzt.

Ausser uns paddeln noch ein Paar aus den Niederlanden und die rumänische Frau des dritten Ingenieurs mit. Hlynur ist optisch ein Bilderbuchisländer - insgeheim nennen wir ihn "Erich, der Wikinger. Nur die lila lackierten Fussnägel wollen nicht ganz ins Bild passen. Prompt fragt der Junior auch nach dem Grund für die Lackierung. Die Antwort ist so simpel wie überzeugend: ich mag Farbe. An einem Ort wie Seydisfjordur, an Islands Ostküste mit deutlich überdurchschnittlicher Selbstmordrate, ist diese Begründung absolut nachvollziehbar. Hlynur spricht ganz offen über das Problem mit Depressionen, gem. seinen Ausführungen hat Island den weltweit höchsten Konsum pro Kopf an Antidepressiva. Alternativ dazu sind die Menschen dem Alkohol verfallen oder aber sie finden in den dunklen Wintermonaten eine sinnvolle Beschäftigung. Er führt Holzschnitzereien an Treibholz aus. Ob er seine Werke auch verkauft, ist offen geblieben. Er echauffiert sich auch über das Paradoxon, dass Island erheblich vom Walbeobachtungstourismus profitiert und gleichzeitig Wale jagt.

Die Paddeltour im Kajak führt uns zwar nicht zu den Wasserfällen, aber wir sehen am Ufer Austerntaucher ganz aus der Nähe und ein neugieriger Seehund wird von uns aufgescheucht und umkreist minutenlang mein Kajak. Wir sind sicher, dass dies ein bleibendes Highlight der Reise bleiben wird.


Freitag, 20. Juli 2018 8:00 bis 18:00 Uhr - Akureyri


Der Junior hat sich mit dem Walbeobachtungsvirus angesteckt und steht um 4:00 Uhr morgens in voller Montur bereit, weil er mitbekommen hat, dass wir am Vortag beim early morning coffee auf dem Pooldeck Wale gesehen haben. Nachdem die Uhrzeit auch auf seiner Uhr angepasst ist, kommt er um 6:00 Uhr mit an Deck, nur Wale sehen wir dieses Mal nicht.

Der Autovermieter ist direkt am Hafen und wir haben ein grosses Off road Fahrzeug bekommen. Auf Islands Strassen sind ausserorts höchstens 90 km/h erlaubt, offenbar ist das allerdings der vor uns hindümpelnden Touristenlawine in Mietwagen entgangen. Den ersten Stop nach einer landschaftlich wenig reizvollen Strecke machen wir wie geplant am Godafoss. Das erweist sich nachträglich als kluge Entscheidung: die ersten Busladungen treffen erst zu dem Zeitpunkt ein, als wir wieder abfahren. Wir sind vom Godafoss insgesamt eher enttäuscht als begeistert. Das mag einerseits dem trüben Wetter geschuldet sein (als wir den Wasserfall verlassen, fängt es an zu regnen), mag andererseits aber auch daran liegen, dass dieser Wasserfall dem Vergleich mit dem Rheinfall von Schaffhausen in jeder Hinsicht Stand halten kann. Auch die nächste Etappe zum Myvatn ist zwar ganz klischeehaft isländisch moosgrün, aber insgesamt landschaftlich trist. Wir fragen uns ernsthaft, worauf der Hype um Island begründet ist. Allenfalls sind unsere Erinnerungen an Irland noch zu präsent und im Vergleich damit fällt zumindest diese Region bezüglich spektakulärer Aussichten deutlich ab. Erfreulicherweise hält sich die Mückenpopulation am gleichnamigen Myvatnsee in Grenzen und die explizit für diese Exkursion importierten Mosquito Hats kommen nicht zum Einsatz.

Wir verschaffen uns an einem Aussichtpunkt einen Überblick, aber rechte Begeisterung mag weiterhin nicht aufkommen. Zur nächsten Etappe, der Grjótagjá Höhle mit kleinem See, fahren wir eine gravel road, damit der Ausflug mangels anderer Highlights wenigstens durch Fahrspass in guter Erinnerung bleibt. Leider ist nach wenigen Kilometern bereits Schluss und wir nehmen die Höhle in Augenschein. Das eigentlich spektakuläre daran ist nach unserem Empfinden nicht die Höhle selbst, sondern die Lage direkt auf der hier an der Oberfläche sichtbaren geologischen Verwerfungszone zwischen den Kontinentalplatten von Amerika und Europa. In dieser Höhle wurde eine Liebesszene zwischen Jon Schnee und Ygritte in Game of Thrones gedreht. So lässt sich der erstaunliche Andrang von Touristen allenfalls erklären. Die nach ursprünglicher Planung vorletzte Etappe Námaskarð ist schon von weither zu riechen: kochende Schlammtümpel und -töpfe, Fumarole und Solfatare verströmen ihren typischen Schwefelgeruch. So wird 50% der Mannschaft klar, dass ein Bad in der benachbarten schwefelhaltigen Lagune vom Programm gestrichen wird. Die brodelnde, stinkende Erdoberfläche ist spektakulär und absolutes Highlight der heutigen Exkursion. Nachdem ein leichter Nieselregen einsetzt, fahren wir Richtung Akureyri zurück und erkunden die "Stadt" zu Fuss. Im Grunde besteht sie aus einer äusserst überschaubaren Fussgängerzone und profitiert von der relativ malerischen Lage im Fjord. Auf der ersten Kreuzung treffen das Familienoberhaupt und der Schwager zufällig den Exschwager, der mit dem Wohnmobil auf der Insel unterwegs ist - die Welt ist ein Dorf.


Samstag, 21. Juli 2018, 3. Seetag Richtung Norden


Sonntag, 22. Juli 2018, Prins-Christian-Sund, 14.00 bis 20.00 Uhr

Es ist neblig und für uns Laien alles andere als klar, ob und unter welchen Sichtverhältnissen wir den Sund passieren werden. Die Prognose des Kapitäns trifft exakt zu: wir erreichen die Passage und bei Einfahrt lichtet sich das Nebelmeer wie ein Vorhang. Wir erleben eine majestätische Landschaft, Eisberge ziehen an uns vorbei und verbringen die gesamte Passage an Bord - Bilder sagen mehr als tausend Worte.


Montag, 23. Juli 2018, 4. Seetag Richtung Nuuk, Grönland


Dienstag, 24. Juli 2018, 8.00 - 16.00 Uhr, Nuuk, Grönland

Nuuk bedeutet "Kap" auf grönländisch und heisst auf dänisch Godthåb - "Gute Hoffnung". Bisher haben wir das Kap der guten Hoffnung geografisch woanders verortet :-) Nuuk ist die Hauptstadt und mit rund 17'000 Einwohnern die größte Siedlung Grönlands. Wir werden uns bei der Touristeninformation in der Innenstadt eine Karte besorgen und wandern.

Das Schiff legt direkt in Nuuk an. Der erste Eindruck ist wenig attraktiv und tendentiell eher armseelig. Das mag aber auch der trüben Wetterlage geschuldet sein. An unserem Vorhaben, die Wanderung rund um den Lille Malene zu machen, halten wir fest und informieren uns an der Touristeninfo am Pier. Ein junger Mann erklärt uns in ausgezeichnetem Deutsch, wie wir für nur 15 KR mit dem Bus zum Flughafen kommt und von dort aus einfach dem Skilift folgt.

Nach einem vergeblichen Abstecher zum ortsansässigen Spar auf der Pirsch nach einem Geldautomaten, treffen wir das holländische Pärchen wieder, die sich unserem Vorhaben spontan anschliessen. Wenige Meter weiter stehen wir direkt vor einer Bank und kommen in den Besitz von dänischen Kronen.

An der Bushaltestelle treffen wir weitere AIDA-Gäste, die auch auf eigene Faust wandern wollen. Wir entern zu neunt den Bus und werden von den Einheimischen neugierig bestaunt. Allzu viele Kreuzfahrer, die sich auf das authentische Lokalerlebnis ÖV einlassen, gibt es offensichtlich nicht. Nach 25 Minuten kommen wir am Flughafen an. Die Sicht ist quasi null und wir verzichten auf die Eroberung des Berg...chens. Eine Stunde Wartezeit auf den nächsten Bus erscheint uns auch nicht wirklich attraktiv und so laufen wir einfach zu Fuss zurück in die Stadt.

In Grönland ist das Umweltbewusstsein noch nicht wirklich entwickelt: Müll wird einfach liegen gelassen resp. abgeladen. Erstaunlich ist, dass ein ganz hartgesottener auf einem wenig idyllischen Hang sein Zelt aufgeschlagen hat und das Fehlen von hundlichen Hinterlassenschaften. Robidogs gibt es alle paar Meter und offensichtlich werden sie auch benutzt. Kurzfristig verlieren wir den Schwager und die holländische Begleitung, aber langweilig war es augenscheinlich nicht. Insgesamt haben wir wenig Gefallen an Nuuk gefunden, die Hauptstadt strahlt keinen Charme aus, die Häuser sind alle im gleichen Stil erbaut und unterscheiden sich lediglich durch die - teilweise schrille - Farbgebung.

Leider verpassen wir die Brauereiführung, weil wir den Treffpunkt verhühnert haben. Im Nachhinein wird uns berichtet, dass es absolut lohnenswert war. Das können wir verschmerzen, eine ausgiebige Siesta hat auch gut getan.

Später am Nachmittag erfahren wir über eine Durchsage, dass wir Ilulissat wegen der Eisverhältnisse nicht anlaufen und statt dessen 15 km weiter südlich in Claushavn/Ilimanaq vor Anker gehen werden.

Bei allen Gästen, die ihre Ausflüge privat organisiert haben, bricht Ratlosigkeit aus, die darin gipfelt, dass sich rund hundert planlose Gäste vor der Rezeption einfinden. Die Stimmung ist unterirdisch und deshalb beschliesse ich, das ganze in geordnete Bahnen zu bringen. Ich bitte die Rezeption, eine Durchsage zu machen, dass sich alle Individualreisenden um 17:30 vor der Rezeption einfinden, damit nicht alle Gäste individuelle Abklärungen treffen und etwas Ruhe einkehrt. Grundsätzlich ist das Personal absolut im Recht, wenn sie darauf hinweist, dass AIDA nur für solche Ausflüge zuständig ist, die sie auch selbst anbietet. Angesichts der teilweise verzweifelten Gefühlslage der Menschen wäre an dieser Stelle ein wenig Hilfestellung bestimmt dankbar angenommen worden.

Die Rezeption ist nicht befugt, selbst über eine derartige Ansage zu entscheiden und der Maître oder Chief oder wie auch immer ist gerade auf dem Schiff unterwegs. Wie dem auch sei, kurz nach 17:00 Uhr kommt die Durchsage und um 17:30 teile ich unsere Leidensgenossen mit Zetteln in Gruppen nach örtlichem Veranstalter und Ausflug ein,

bestimme einen "Zettel-über-den Kopf-Halter" und verschaffe mir so einen Überblick. Für jede Gruppe wird ein Abklärungsverantwortlicher bestimmt und die Namen und Kabinennummern werden pro Veranstalter und Ausflug notiert. Ich übernehme die Abklärungen für zwei Veranstalter und fünf Ausflüge und das illustre Trüppchen wird für den kommenden Tag um 14:00 wieder an die Rezeption bestellt. Das Personal ist offensichtlich erleichtert, dass wieder Ruhe vor und um die Rezeption eingekehrt ist und übernimmt grosszügigerweise Telefonkosten, wenn sie von der Kabine aus geführt werden. Vielleicht hat das auch damit zu tun, dass ich von etlichen Passagieren angesprochen werde, die sich für die Organisation und die Telefonkosten erkenntlich zeigen wollen. Ich verweise subtil aber deutlich auf den Reiseveranstalter mit drei Buchstaben und Serviceorientierung, der das sponsert, mein Arbeitgeber ist und übrigens auch ganz tolle Schiffe hat :-)..... läuft....

Wir haben übrigens Glück im Unglück:

der Veranstalter des Ausflugs Gletscherfahrt unter Mitternachtssonne kann den Ausflug nicht ab Ilimanac statt Ilulissat starten und erstattet die Kosten vollumfänglich. Mehr Glück haben wir mit der Exklusivtour zum Eqi-Gletscher: Gegen 25% Aufpreis wird das Schnellboot nach Ilimanac kommen und uns zum Sehnsuchtsziel Eqi bringen (und mit uns neun weitere AIDA-Gäste).


Mittwoch, 25. Juli, 17.00 Uhr bis Donnerstag, 26. Juli 2018, 18.00 Uhr, Ilimanaq, Grönland

Mit Kurs auf Ilimanaq haben wir im Selection-Restaurant ein Geburtstagsfrühstück genossen.

Es war erholsam, die Nahrungsaufnahme nicht in einem der Büffetrestaurants zu absolvieren. Insgeheim Kantine C (Calypso) und Kantine M (Marktrestaurant) genannt. Damit keine Mistverständnisse aufkommen:

Die Speisen sind von höchster Qualität, das Servicepersonal ist zuvorkommend und freundlich, aber... "Herr Ober, können wir andere Gäste bestellen?"

Deutsche zeigen an Büffets ein Verhalten, das bei mir die Assoziation Nachkriegsverhalten weckt:

wahlweise "Survival of the fittest" unterstützt durch inflationären Einsatz von Ellenbogen,

"Wat ick bezahlt hab, will ick auch haben" angesichts der unfassbaren Volumina, die sich auf einem Teller stapeln lassen bis hin zu "Szenen einer Ehe" - unfassbar, dass es Paare gibt, die sich ausser des obligatorischen "Guten Appetit" während einer Mahlzeit nichts sonst zu sagen haben.

Bei der Besammlung der Schicksalsgemeinschaft derjenigen, die wie wir ihre Ausflüge nicht über die Reederei organisiert hat, stellt sich heraus, dass unsere Luxury Cruise zum Eqi Gletscher tatsächlich der einzige privat organisierte Ausflug ist, der stattfinden wird. Den weniger glücklichen Gästen empfehle ich, die Bevölkerung vor Ort anzusprechen, erfahrungsgemäss finden sich immer Fischer, die gegen Bezahlung bereit sind, eine Extratour zu machen.

Am frühen Abend tendern wir also nach Ilimanac, eine kleine Siedlung mit rund fünfzig Einwohnern. Dem ein oder anderen Grönlandaffinen ist sie allenfalls wegen der Ilimanac Lodge ein Begriff. Zu besagter phantastischer Lodge führt ein Holzsteg, von dem jeweils ein Steg zur einzelnen Unterkunft in Form eines Nurdachhauses abzweigt. Deutlich lesbar sind Schilder aufgestellt, die Kreuzfahrtgäste auffordern, die Diskretion der Gäste in den Lodges zu wahren und den Hauptsteg nicht zu verlassen. Wir stellen fest, dass wir in Gesellschaft von wahlweise Analphabeten oder Blinden sind. Wir erfahren später, dass Gäste sogar die Traute hatten, nicht nur um ein jeweiliges Nurdachhaus herumzugehen, sondern auch hineinzugehen ("die Tür stand ja offen und ach? die sind vermietet?" - Hallo? Herr Ober, bitte andere Gäste, wahlweise einen Baseballschläger...) Im Grunde gleicht der Landgang einer teutonischen Invasion, vermutlich ist die einheimische Bevölkerung für die nächsten Monate mit kollektiver Traumabewältigung beschäftigt.

Nichtsdestotrotz reihen wir uns in die Karawane ein und erklimmen auf unbefestigten Pfaden die nahe gelegenen Berge. Die Aussicht ist atemberaubend und wir sind sprachlos.

Zurück auf dem Schiff entdecken wir Buckelwale, die in Sehdistanz vom Schiff immer wieder auftauchen - eine Gruppe von rund acht Tieren taucht teilweise synchron! auf und ebenso synchron wieder ab. Das jeweilige Tier zeigt dem geneigten, vor Verzückung in Oh! und Ah! Schreie verfallenden Publikum pittoreks seine Schwanzflosse. Die Kamera ist mit leeren Akkus natürlich auf der Kabine - wo sonst? Zum Glück hat der Bruder des Oberhauptes seine Kamera dabei und filmt das aufregende Spektakel.

Obwohl es schwerfällt, sich loszueisen, verordnen wir uns frühe Bettruhe, weil die Ann-Catherine, das eistaugliche Schnellboot uns am nächsten Morgen um 8:00 Uhr an der Pier aufnehmen soll. Wir sind einigermassen pünktlich, weil wir auf dem ersten Tenderboot sind, das vor den offiziell aufgerufenen Booten ablegt, um an der Pier das AIDA-Zelt und sonstiges Material zu installieren. Mit dem ersten offiziellen Tenderboot ist auch der Rest der Truppe vollzählig angetreten und wir legen mit etwas Verspätung durch die Ann-Catherine in Richtung Eqi ab.

Das Boot ist absolut state-of-the-art, nicht nur von der zur Erlangung der Eistauglichkeit massiv verstärkten Bauweise betrachtet:

wir sitzen in bequemen First class Sitzen im Warmen (!), können jederzeit an Bord, uns jederzeit an Kaffee und Tee bedienen und die blitzsaubere, moderne Toilette benutzen. Innert knapp zwei Stunden sind wir am Gletscher, der kurz vor unserer Ankunft ins Meer gekalbt hat. Das ist am Wellengang zu erkennen, der merklich abebbt. Wir machen einen Sandwichlunch direkt vor der Gletscherzunge, sanft geschaukelt und millionenjahrealte Luft atmend. Petrus ist uns hold und schickt uns sogar ein paar Sonnenstrahlen. Auf der Rückfahrt machen wir einen Stopp an einem Wasserfall und unsere ferienjobbende dänische Reiseleiterin holt ein paar Becher heiliges Wasser ein, dem eine verjüngende Wirkung nachgesagt wird. Erfrischend war es in jedem Fall.

Wir legen kurz in Ilulissat zum Tanken an, diese Siedlung ist um einiges grösser als Ilimanaq und macht einen sympathischeren Eindruck als Nuuk, aber viel mehr als eine Panoramasicht und einen Blick auf den Tankstutzen an der Pier erschaschen wir nicht.

Auf der Rückkehr pirschen wir uns an zwei Buckelwale heran, die aber recht rasch nach unserer Annäherung abtauchen.

Eine Seefahrt, die ist.... manchmal wild.

Wir sind um 14:30 wieder zurück an der Pier von Ilimanaq. Da ziehen wir uns erst mal den geballten Unmut der Menschenmasse auf uns, weil wir auf der unteren Plattform bleiben und von dort aus auf ein Tenderboot warten.

Es wäre zwar gerecht, sich einen Weg durch die Menschenmasse zum Ende der Schlange zu bahnen, macht aber einfach keinen Sinn, weil an Durchkommen nicht ansatzweise zu denken ist. Zu allem Übel setzt auch noch Regen ein und in der Menge kommen wir nicht an unsere Regenhosen heran und dann liegt zusätzlich die Astoria auf Reede und hat einen Tenderservice an die Pier. Die Menschenmenge ist im wahrsten Sinne des Wortes unüberschaubar.

Anfangs machen wir uns über die Nässe und Kälte keine Gedanken, was sich aber ändern wird :-(

Der Wind frischt deutlich auf und treibt die Eisberge und -schollen auf die Pier zu. Nach etwa einer Stunde des Wartens und Bibberns legt ein AIDA Tenderboot an, aus unserer Truppe bleiben nur das Familienoberhaupt und ich am Pier zurück, weil das Boot besetzt ist. Dass es allenfalls keine gute Idee sein könnte, den Junior ohne elterliche Autorität dem Tenderboot zu überlassen, kommt uns nicht in den Sinn.


Freitag, 27. Juli 2018, 5. Seetag Richtung Qaqortok

Wir werden die Eindrücke in Ilulissat mental verdauen - und abends nach dem verspäteten Geburtstagsessen im bedienten Spezialitätenrestaurant sicher auch rein physisch.


Samstag, 28. Juli 2018, 12.00 - 18.00 Uhr, Qaqortok, Grönland

Qaqortoq bedeutet "Das Weiße" und spielt auf die zahlreichen Eisberge in der Bucht an.

Nach dem Tenderbooterlebnis in Ilimanaq liegt der Ausfall in unserer Truppe bei 50% -

das Familienoberhaupt und der Junior bevorzugen einen Tag an Bord.

Qaqortok ist wirklich idyllisch, das Wetter spielt auch mit und wir haben die Siedlung mühelos in zwei Stunden erkundet. Ins Staunen kommen wir, als wir Kinder beim Baden im Storesøen beobachten - ohne Neoprenanzug...

Den See ganz umwandert haben wir nicht, so atemberaubend ist das nicht wirklich. Im örtlichen Supermarkt Pissifik entdecken wir ein riesiges Angebot an Tiefkühlfisch. Schwer nachvollziehbar an einem Ort, wo das Mittagessen quasi am Haus vorbeischwimmt. Mit Lakritzproviant machen wir einen Abstecher zur örtlichen Fellmanufaktur - und kehren mit ein paar Handschuhen aus Ringelrobbenfell zurück. Ohne schlechtes Gewissen: die Felle stammen von Robbenjägern, die die Tiere für den Eigenbedarf verzehren und sich durch den Verkauf der Felle an die Manufaktur ein Zubrot verdienen.


Sonntag, 29. Juli 2018, 6. Seetag Richtung Reykjavik

Nach einem intensiven Wasch- und Bügelvormittag sitzen im Theater zum Lektorvortrag Schweizer hinter uns -

und sie haben einen Adapterstecker! Nicht nur das, sie brauchen ihn nicht und überlassen ihn uns bis zum Ende der Reise. Heureka. Nun ist vermeintlich der Übertrag von analog auf digital angesagt - allerdings ist die Verbindung so schwach, dass an ein Hochladen von Beiträgen oder Bildern nicht zu denken ist. Macht aber auch nichts, die handschriftlichen Notizen werden sortiert und digitalisiert, das macht es im Nachhinein allemal leichter.


Montag, 30. Juli 20:00 Uhr bis Dienstag, 31. Juli 2018, 17:00 Uhr Reykjavik, Island

Wir werden nach dem Anlegen abgeholt und machen um 21:00 Uhr eine mitternächtliche Whale Watching tour.

Wer mehr über die gentle giants wissen will, sollte sich unbedingt durch whaletrips.org surfen, das ist aus unserer Sicht die mit Abstand beste Seite zum Thema Wale.


Dienstag, 31. Juli 20:00 Uhr bis 17:00 Uhr Reykjavik, Island

Hier kommt noch Text.....


Mittwoch, 1. August 2018, 7. Seetag - Richtung Shetland Islands

Der Schweizer Nationalfeiertag ist ein Seetag, das kommt uns sicher gerade recht,

um die Eindrücke aus Reykjavik zu verdauen. Am Abend gehen wir ins Selectionrestaurant essen.


Donnerstag, 2. August 2018, 13:00 - 21:00 Uhr, Shetland Islands, Lerwick

Auf einer kleinen Insel braucht man auch nur ein kleines Gefährt: wir werden mit einem Mittelklassewagen unterwegs sein.

Sumburgh Head

Tausende Papageientaucher und andere Seevögel liefern zwischen Mai und Mitte August eine spektakuläre Show in Sumburgh Head. Das können wir uns nicht entgehen lassen! Mit etwas Glück sehen wir vielleicht auch Wale, Delfine und oder Robben.

Brae

An und für sich ist Brae nichts besonderes - bis auf Frankie's!

Dort gibt es die besten Fish & Chips im Vereinigten Königreich. Wir haben einen Tisch reserviert.


Freitag, 3. August 2018, 10:00 - 18:00 Uhr, Orkney Islands, Kirkwall

Der letzte Landausflug steht im Zeichen von alten Steinen :-)

Maes Howe

ist einer der größten Megalithgrabhügel überhaupt und die steinzeitliche Präzision ist erstaunlich. Die Runensammlung gilt als größte der Welt und im Inneren findet man "Wandschmierereien" von Wikingern, die hier vor ca. 1.000 Jahren überwinterten.

Ring of Brodgar

ist ein gewaltiger Steinkreis, mit einem Durchmesser von 110 Metern ist er größer als die Anlage von Stonehenge.

Skara Brae

gilt als das besterhaltene jungsteinzeitliche Dorf Europas.

Stromness

wird wie Husum aufgrund der Farbe seiner Steinhäuser auch die "graue Stadt am Meer" genannt.

Kirkwall

ist Hauptstadt und größte Stadt der Inseln und kann bis ins 11. Jahrhundert auf die Wikingerzeit zurückgeführt werden. Kirkwalls Skyline wird von der prächtigen St. Magnus Kathedrale dominiert, bekannt als das Licht des Nordens.


Samstag, 4. August 2018, 8. Seetag, zurück nach Hamburg

Der letzte Tag auf See - Abschied und noch einmal richtig Gas geben.


Sonntag, 5. August 2018, 8:00 Uhr, Ankunft in Hamburg

Abhängen an den St. Pauli - Landungsbrücken und abends Rückflug nach Zürich

Bye, bye - So war es...

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