Rhein-Marne-Kanal

Donnerstag, 13. April bis Freitag, 21. April 2017

Wir wissen nicht mehr, wie wir auf die Idee gekommen sind, aber irgendwann war es soweit. Urlaub auf dem Hausboot, langsames Dahingleiten und den Alltag hinter sich lassen. Das Familienoberhaupt konnte sich das bis dahin zwar nicht so richtig vorstellen, aber letztendlich hat er nachgegeben und seine Vorurteile (da ist man ja schneller zu Fuss unterwegs, das ist doch etwas für Omis und Opis) über Bord geworfen.

Für eine Woche auf dem Hausboot wollen wir keine lange Anreise bis nach Südfrankreich in Kauf nehmen, also entscheiden wir uns für eine Route auf dem Rhein-Marne-Kanal im nahen Elsass-Lothringen. Bei Navig France buchen wir ein klassisches traditionelles Hausboot, das für Kanalfahrten prädestiniert ist und ausserdem keinen Bootsführerschein benötigt. Der Bruder des Oberhauptes erklärt sich bereit, die Crew auf dieser Fahrt zu begleiten.


13. April 2017: Anreise über Strassburg

Wir packen unsere Reiseutensilien und wundern uns wiederholt darüber, wieviel Gepäck sich so ansammelt. Darüber hinaus kommen die Fahrräder dazu, der tragbare Grill muss ebenfalls mit. Die Wetterprognose sieht nicht so gut aus, von daher müssen wir auch wörmere Klamotten mitnehmen.

Die Strecke von Zürich nach Strassburg ist in 2,5 Stunden absolviert, am dortigen Bahnhof laden wir den Bruder des Oberhauptes ein.

In das Auto passt nun nichts mehr rein, eine freie Sicht nach hinten gibt es nicht. Wir sind bewusst einen Tag früher angereist, da wir uns gerne Strassburg ansehen möchten. In der Stadt haben wir eine Ferienwohnung gebucht, die wir als nächstes ansteuern. Die Übergabe durch den Vermieter erfolgt schnell und reibungslos, wir beziehen die Wohnung und machen uns so schnell es geht mit der Tram in die Stadt. In der Strassburger Altstadt verbringen wir den restlichen Tag, nach einem Flammkuchenessen (muss im Elsass einfach sein) in einem tollen Restaurant direkt am Kanal fahren wir spätabends mit der Tram wieder in unser Domizil. 

14. April 2017: Fahrt nach Lagarde und Übernahme Hausboot

Nach dem Frühstück brechen wir auf, Ziel ist der Sitz von Navig France in Lagarde, die Strecke beträgt ca. 100 km. Zwischenzeitlich hatten wir überlegt, ob bedingt durch die Enge im Fahrzeug einer der Teilnehmer mit Bahn und Bus nach Lagarde oder zumindest in die Richtung fährt. Wir verwerfen den Gedanken, da Lagarde wirklich im Nirwana liegt und mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schwer zu erreichen ist. Darüber hinaus ist heute Karfreitag und somit gilt der sonntägliche Fahrplan.

Am frühen Nachmittag sind wir am Ziel, wir öffnen die Fahrzeugtüren und fallen mit einigen Gepäckstücken heraus. Nun gilt es erst einmal, tief Luft zu holen und die Glieder zu bewegen.

Nack kurzer Wartezeit kommt eine Mitarbeiterin von Navig France und weist uns in unser Hausboot ein. Sie fragt, welche Route wir nehmen wollen und ob wir Bootserfahrung haben. Wir wollten bis zum jetzigen Zeitpunkt eigentlich die Moselschleife über Nancy fahren, so hatten wir es uns ausgedacht. Davon rät uns die Dame ab, mit wenig Erfahrung sollten wir diese Strecke nicht nehmen, zumal der Schiffsverkehr auf der Mosel recht rege ist und das Boot zudem auch sehr antriebsschwach. Sie empfiehlt uns die Route von Lagarde nach Strassburg bzw. Saverne. Diese Route beinhaltet relativ wenige Schleusen, ist zu dieser Jahreszeit wenig befahren und hat eine Etappe von 30 km ohne jede Schleusung. Wir schauen uns an und nehmen diese Empfehlung an. Im Nachhinein der richtige Entschluss.

Nach der Einweisung geht es los, das Gepäck ist verladen. Die Mitarbeiterin begleitet uns bis zur ersten Schleuse, die quasi um die Ecke liegt. Danach sind wir auf uns alleine gestellt und das Abenteuer Hausbooturlaub auf dem Rhein-Marne-Kanal kann beginnen. Die ersten 6 Schleusen nehmen wir mit Bravour und zunehmender Routine, die Mannschaft spielt sich ein, ein Handgriff greift in den nächsten.

Nach ca. 10 km beschliessen wir, vor der grossen Schleuse im Etang de Rechicourt Stop zu machen und zu übernachten. Wir legen in der "Wildnis" an und schlagen die Pflöcke zur Befestigung des Bootes in den Uferboden.

Die erste Etappe ist geschafft und wir beglückwünschen uns zu dieser unfallfreien Meisterleistung. Was die Stimmung und Laune etwas trübt, sind die Wetteraussichten. Während die Temperaturen in der Vorwoche sommerlich waren, sieht die Prognose für die nächste Woche schlecht aus. Tagsüber kühl und regnerisch, nachts um den Gefrierpunkt bzw. noch darunter. Das Boot ist für diese Temperaturen in keinster Weise ausgelegt, die Fenster und Türen sind nicht wirklich dicht, die Heizung muss nachts, zumindest auf Sparflamme, durchlaufen. Die erste Person, die morgens aufsteht, muss den Ofen anschmeissen und auf volle Touren bringen.

Wie sagt die Maitresse immer so schön: "Das Wetter findet statt". In diesem Sinne "Ahoi".


15. April  2017: Vom Etang de Rechicourt nach Niderviller

Als wir aufwachen, sind die Scheiben nass, das Wasser läuft herunter, es ist kalt. Nun gilt es, sich schnellstmöglich anzuziehen und die klammen Klamotten warm werden zu lassen. Wir frühstücken und machen uns startbereit. Der Liegeplatz liegt wirklich idyllisch in der Natur, wenn das Wetter besser wäre, hätten wir draussen sitzen können. Nun ja, ist nicht zu ändern.

Der erste richtige Höhepunkt unserer Fahrt ist nun die ca. 16 m hohe Schleuse von Rechicourt. Diese Schleuse ersetzt mittlerweile 6 alte Schleusen, die sich auf einer Distanz von 2400 m befanden. Der Zeitgewinnn gegenüber der alten Strecke beträgt 2 Stunden, das Durchschleusen ist dank der in die Wände eingelassenen Schwimmpoller sehr einfach. Wir haben ja mittlerweile gute Routine entwickelt, uns kann das nicht mehr erschüttern.

Nun befinden wir uns auf freier Strecke, 30 km keine Schleuse in Sicht. Das macht Spass, da kommt Freude und Entspannung auf. Wir legen irgendwo in der Walachei einen kleinen Stop ein, um uns mit Proviant zu versorgen.  Mit den Fahrrädern steuern wir eine kleine Siedlung an, in der Hoffnung, dort wenigstens einen Bäcker zu finden. Backwaren gibt es normalerweise in einem Restaurant, das ist aber geschlossen. Dafür liegt nebenan ein kleiner Campingplatz, auf dem nichts los ist. Der Verwalter bietet uns einen leckeren löslichen Kaffee an, der nach nichts schmeckt. Freundlich bezahlen wir und machen uns wieder auf in Richtung Schiff. In der Nähe des Bootes liegen nun einige betrunkene Polen am Ufer, wahrscheinlich sind es Saisonarbeiter, die nun Wochenende haben und sich dem Wodka oder anderen Schnaps hingeben. Uns ist bei diesen Typen nicht wohl, wir schmeissen unsere Räder auf das Boot und starten den Turbo.

Am Nachmittag erreichen wir unseren nächsten Haltepunkt, die Marina Niderviller von Kühnle Tours. Am Steg ist ein Platz frei, den wir sofort mit äusserster Geschicklichkeit in Beschlag nehmen. Zu unserer Überraschung spricht der Verwalter Deutsch, er kommt aus Ostdeutschland und arbeitet hier seit 2 Jahren. Die Marina ist sehr zu empfehlen, preiswert, sehr gute Sanitärausstattung.

Während Onkel und Junior an Bord bleiben, fahren das Oberhaupt und die Maitresse mit dem Fahrrad in das nahegelegene Sarrebourg. Ziel ist ein Supermarkt, der Proviant bedarf dringend einer Auffüllung. Die Fahrt auf der Landstrasse bei Nieselregen ist nicht besonders schön, es gibt keinen Radweg, es ist kühl und darüber hinaus auch recht hügelig. Sarrebourg ist ein hübsches Städtchen, aber bei Regen und Kälte kommt das alles nicht so richtig an. Also nichts wie in den Supermarkt, einkaufen und wieder zurück zum Boot.


16. April 2017: Durch Tunnel und Schiffshebewerk nach Lutzelbourg

Wir wollen vor den anderen Booten starten, um die Wartezeiten vor den Tunneln zu verkürzen. Also heisst es früh aufstehen, frühstücken, an der Rezeption bezahlen und ab geht die Post bzw. das Boot. Die nächste Hürde ist der Niderviller Tunnel mit einer Länge von 476 m. Am Liegeplatz vor dem Tunnel müssen wir warten, bis die Ampel auf Grün springt. Das geht relativ schnell und so fahren wir das erste Mal in so eine dunkle Röhre hinein. Der Fahrer ist gefordert, rechts oder links nicht anzuecken, der Tunnel ist sehr schmal. Wie ein Schiff wie die Madeleine hier durchfahren kann, bleibt uns ein Rätsel. Nach dem Niderviller Tunnel kommt der nächste Tunnel, der Arzviller Tunnel mit einer Länge von 2306 m. In dieser Röhre kann einem schon anders werden, es ist sehr bedrückend und beengend. Wir sind froh, als wir durch sind und den Tunnel hinter uns lassen können.

Nach weiteren 3 Kilometern erreichen wir das Schiffshebewerk Arzviller. Im Sammelbecken vor dem Hebewerk warten schon einige Boote, also schliessen wir uns an und warten darauf, eingelassen zu werden.Der Wind ist mittlerweile stark aufgefrischt und drückt auf das Boot. Von daher wird es plötzlich sehr schwer, das Boot nach steuerbord zur Einfahrt in das Hebewerk zu bewegen. Mehrere Versuche scheitern kläglich und auf der Stirn bilden sich Angst- oder Schweissperlen. Irgendwann klappt das Manöver doch noch, vorsichtiges Rückwärtsfahren ermöglicht dem Oberhaupt, nach vorne einen Schwenk zu machen und auf die Einfahrt zu halten.

Das Schiffshebewerk ist sehr beeindruckend, es wurde 1969 in Betrieb genommen. Bis dahin wies der Kanal eine Reihe von 17 Schleusen auf nur knapp 4 Kilometer Distanz auf.

Nach knapp 20 Minuten ist die Schleusung vorbei und wir können auf dem Kanal weiterfahren. 4 Schleusen später erreichen wir dann Lutzelbourg, wo wir anlegen und Halt machen.

Nach einer Orientierung im Ort besuchen wir die Bierstub d'Eselbahn. Neben Bier gibt es hier auch zu Essen und so verweilen wir hier.

17. April 2017: Lutzelbourg


Der Tag beginnt mit frischen französischen Baguettes. Die Nacht war zwar wieder sehr kalt, aber nach einem heissen Kaffee sieht die Welt schon wieder anders aus. Wir beschliessen, eine Pause einzulegen und den Tag in Lutzelbourg zu verbringen. Nach dem Frühstück erkunden wir den Ort und die nähere Umgebung.

Während wir die Lützelburg erklimmen, fängt es wieder einmal an zu regnen und es wird empfindlich unangenehm. Der Ausblick von der Burg in das Zorntal könnte so schön sein, wenn es nicht so kühl und regnerisch wäre.

Am Abend gehen wir in das nahegelegene Hotel Des Vosges, um zu essen und, noch wichtiger, um uns aufzuwärmen.



18. April 2017: Saverne

Unsere Planung sah eigentlich vor, mit dem Boot bis Saverne zu fahren. Beim Blick auf die Karte stellen wir fest, dass es auf den 10 Kilometern nach Saverne 9 Schleusen zu passieren gilt. Dazu haben wir bei den kühlen Temperaturen keine Lust mehr, zumal wir nicht einmal Handschuhe dabei haben. Beim Schleusen wäre das schon angebracht.

Alternativ könnten wir auch mit den Rädern auf dem schönen Radweg nach Saverne fahren. Das Problem besteht darin, dass das Mietfahrrad des Onkels eine echte Gurke ist, mit der das Radfahren wirklich keinen Spass macht. Da hat uns Navig France einen echten Schrottesel angedreht.

So beschliessen wir, mit dem Zug von Lutzelbourg nach Saverne zu fahren. Der Weg zum Bahnhof dauert länger als die Fahrt selbst, aber am späten Vormittag treffen wir in Saverne ein. Saverne ist wirklich zu empfehlen, ein schönes Städtchen im Zorntal. Am Nachmittag geht es mit dem Zug wieder zurück nach Lutzelbourg.

Nach der Rückkehr in Lutzelbourg beschliessen wir, mit dem Hausboot noch heute Richtung Marina Niderviller zurückzufahren. Das Wetter ist nicht so toll, dass wir eine weitere Nacht in Lutzelbourg verbringen wollen. Wir beeilen uns, kappen die Taue und steuern zunächst Richtung Schiffshebewerk Arzviller. Die Schleusung erfolgt nach kurzer Wartezeit relativ zügig und wir passieren das Hebewerk diesmal in umgekehrter Richtung. Nun sind es noch knapp 3 Kilometer bis zum Arzviller Tunnel.

Es ist kurz vor 18.00 Uhr. Als wir den Tunnel erreichen, macht uns der Tunnelposten darauf aufmerksam, dass wir diesen nicht mehr passieren können. Er hat uns zwar erwartet, aber die Zeit ist zu fortgeschritten. Wir müssen nun die Nacht vor dem Tunnel verbringen, aber der Tunnelmensch verspricht uns, dass wir gleich morgen früh um 08.00 Uhr passieren können. Nun ja, dann verbingen wir eben eine Nacht vor dem Tunnel in völliger Abgeschiedenheit. Zum Glück haben wir noch zu essen, Bier und Wein ist auch noch da und nun kann der Grill das erste Mal zum Einsatz kommen. Es ist fast wie beim Camping.


19. April 2017: Rückfahrt nach Lagarde

Der Tunnelposten hält sein Versprechen. Pünktlich um 8.00 Uhr ist er da und schaltet die Ampel auf Grün. Wir stehen bereits in den Startlöchern und legen ab. Mit geschärftem Tunnelblick passieren wir den Arzviller und Niderviller Tunnel. Dann geht es mit Volldampf Richtung Lagarde. In Xouaxange legen wir noch einmal eine kurze Pause ein, bevor es die restlichen 15 km ohne Scleuse nach Rechicourt geht. Die Schleusungen erledigen wir in der Zwischenzeit mit grosser Routine, das Problem sind nur die kalten Hände bedingt durch die nassen Taue. Das Wetter ist einfach Mist.

Nach der grossen Schleuse von Rechicourt kommen dann noch die letzten kleinen Schleusen, die keine Herausforderung mehr darstellen. Am Nachmittag erreichen wir dann den Hafen von Lagarde. Mittlerweile herrscht ein starker Wind, der das Einfahren in den Hafen als sehr schwierig gestaltet. Das Oberhaupt startet mehrere Versuche und scheitert. Zum Glück sieht uns ein Mitarbeiter von Navig France bei unseren Bemühungen und springt auf das Boot. Er übernimmt das Ruder und steuert in die vorgesehene Parkbucht. Wir sind froh, dass alles so gut geklappt hat und unterwegs keinee Havarie passiert ist.

Am Abend setzen wir uns in das Auto und fahren zum Abendessen nach Luneville, das ca. 25 km entfernt liegt.

Das Hausboot ist abgegeben und wir fühlen uns irgendwie gut.


20. April 2017: Nancy

Ursprünglich wollten wir mit dem Hausboot die Moselschleife fahren, dabei hätten wir auch Stop in Nancy gemacht. Das hat sich anders ergeben, von daher beschliessen wir, mit dem Auto die ca. 65 km nach Nancy zu fahren.

Nancy hat ca. 100.000 Einwohner und war historisch die Hauptstadt des Herzogtums Lothringen. Auf jeden Fall ist es eine schöne Stadt, die wir uns anschauen müssen.

Wir verbringen den Tag in Nancy mit Sightseeing und etwas Shopping.


20. April 2017: Letzter Abend in Lagarde


21. April 2017: Rückfahrt nach Zürich über Colmar

Wir brechen auf und verlassen Lagarde am Vormittag. Das Auto ist nach wie vor voll bis unter das Dach, die Fahrt sehr beengt, aber (wen wundert es) das Wetter wird besser. Blauer Himmel, Sonnenschein, das hätten wir auf dem Hausboot gut gebrauchen können. Wettermässig haben wir falsche Woche gebucht, aber Spass gemacht hat es dennoch. Unser letztes Zwischenziel auf der Rückreise ist das wunderschöne Colmar im Elsass.

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