Berlin

Samstag, 6. Oktober bis Freitag, 12. Oktober 2018

Berlin, Berlin, wir fliegen, nach Berlin...

29 Jahre nach dem Mauerfall wird es wieder einmal Zeit, Berlin zu besuchen. Das Familienoberhaupt und die maîtresse de château waren zwar gefühlt vor hundert Jahren schon mehrere Male in Berlin. Dem Hörensagen nach hat sich die Metropole aber zwischenzeitlich doch stark verändert: Zeit, das selbst in Augenschein zu nehmen.

Eine geräumige, finanzierbare Unterkunft in Berlin zu finden ist kurzfristig praktisch unmöglich - wenn man wie wir AirBnB aus Prinzip nicht frequentiert. Die Gründe dafür werden wir an anderer Stelle ausführen. Jedenfalls haben wir bereits im Februar ein 3-Zimmer-Appartement direkt am Brandenburger Tor gebucht. Die zentrale Lage direkt am Denkmal für die ermordeten Juden und in fussläufiger Nähe des Brandenburger Tors ist von unschätzbarem Vorteil. Mittendrin und ohne lange Anfahrtswege praktisch überall.

Die Wetterprognose ist eingetroffen, infofern hatten wir ideale Voraussetzungen für unsere Städtereise.


Samstag, 6. Oktober 2018 - Anreise

Unser Flug mit Easyjet ab Zürich startet pünktlich um 10.45 Uhr, nach etwas über einer Stunde Flugzeit landen wir in Berlin-Tegel. Im Vergleich zu Zürich ist Tegel irgendwie unaufgeräumt und chaotisch - arm, aber sexy? Eigentlich erwartet man Baustellenflair in BER, aber Tegel ist auch nicht besser.

Zu Fuss pilgern wir von Terminal C zum Terminal A: dort fährt der Flughafenbus Richtung Brandenburger Tor und es gibt einen Schalter von der Touristeninformation, wo wir uns eine Berlin Welcome Card für 6 Tage kaufen. Die Berlin Welcome Card berechtigt zur kostenlosen Nutzung der Berliner öffentlichen Verkehrsmittel bis nach Potsdam, darüber hinaus gibt es zahlreiche Rabatte bei Eintritten für Museen etc.

Die Schlange vor dem Schalter ist dem Empfinden des Familienoberhauptes nach schrecklich lang. Die Maîtresse de château und der Junior sehen das anders: während des Warte- und Kaufvorgangs ist gerade mal genug Zeit, um am benachbarten Kiosk Kaugummis zu kaufen und die Toiletten (ohne Warteschlange!) aufzusuchen.

Von der Vorstellung einer gemütlichen Busfahrt verabschieden wir uns: der Sturm auf die Sitzplätze setzt direkt nach  Türöffnung ein. Wir sind froh, nur eine grosse Reisetasche dabei zu haben. Hilfreich sind auch ¨überdurchschnittliche Körpergrösse, einsatzfähige Ellenbogen und eine gewisse Rücksichtslosigkeit. So fühlt es sich dem Hörensagen nach in Tokio an, wo am U-Bahnsteig Personal eingesetzt wird, um Menschen mit vereinten Kräften in die Waggons zu bugsieren. Obwohl der Flughafenbus tatsächlich im sechs Minuten-Takt fährt, sind die Menschenmassen doch gewaltig. Bei rund 13 Mio. Besuchern im Jahr ist das andererseits auch nicht erstaunlich.

Nach einer gefühlten Ewigkeit von tatsächlich rund 30 Minuten steigen wir am Brandenburger Tor aus und gehen zu Fuss zu unserem Appartement. Bezugsfertig ist es noch nicht, also deponieren wir unser Gepäck und flanieren die Wilhelmstrasse Richtung Potsdamer Platz entlang. Wir entdecken einen Fahrradladen mit integriertem Cafe. Angesichts der schicken Retro Vintage Steel Bikes eine gelungene Kombination aus Augenweide und Gaumenschmaus.

Nachdem wir unser Appartement für die nächsten Tage eingerichtet haben, machen wir um 17:00 eine Trabi-Safari. Wir tuckern rund 90 Minuten an zahlreichen Sehenswürdigkeiten von Berlin vorbei. Unsere Gruppe besteht aus drei Wagen: vorneweg der Guide im e-Trabi, dahinter eine eine Familie, die in Paris lebt und wir. Der Guide erklärt über Funk auf Deutsch und Englisch, das klappt aber ganz gut. Die amerikanische Familie ist offensichtlich bereits bestens in Paris integriert: Rotlicher werden konsequent ignoriert.

Um ehrlich zu sein: eine Trabi-Safari ist ein zweifelhaftes Vergnügen.
Der Wagen ist laut und stinkt. Bequem ist es definitiv nicht. Man hat ständig Angst, dass der Wagen ausgeht und nicht wieder anspringt. Die Bremsen ziehen nicht wirklich. Der Blinkhebel hat die Masse eines Strohhalms, der Fahrer ist also in permanenter Alarmbereitschaft, dass er ihn versehentlich abreisst oder abbricht. Wir sind froh, als wir an der East Side Galery für einen Fotostopp halten, der Zweitaktergestank hat beim Fahrer Übelkeit und Schwindel verursacht. Die Maîtresse weigert sich statthaft, das Steuerrad überhaupt zu übernehmen. Der Guide berichtet, dass trotz drohendem Dieselfahrverbots Trabis mit einer Ausnahmegenehmigung weiterhin fahren dürfen. Um die Luftverschmutzung etwas zu kompensieren, fahren zumindest die Guides mit Elektro-Trabis. Für Passanten und Nostalgiker ist eine Trabisafari witzig resp. toll, für den Fahrer O-Ton "ein Albtraum". Uns ist jedenfalls sehr bewusst geworden, wie gross die Gnade resp. der Zufall der Geburt "im Westen" war, zumal ein Durchschnittsbürger der DDR zwölf Jahr auf das Gefährt seiner Träume warten musste.

Nach der (Tor-)Tour steuern wir die nächste Imbissbude um die Ecke an und stillen unser Verlangen nach Original Berliner Currywurst. Gesättigt und gestärkt machen wir auf dem Rückweg einen Abstecher in die Mall of Berlin, einen Shopping-Tempel am Leipziger Platz in Berlin-Mitte. Wie geahnt und befürchtet deckt sich die Maîtresse de château mit Kleidung ein.... Der Rückweg wird nochmal unterbrochen von einem Stop im Supermarkt, damit ist sichergestellt, dass wir in den nächsten Tagen weder verhungern, noch verdursten werden.

Gegen 22:00 Uhr machen wir eine Nachtrunde, das lohnt sich wegen des Festival of Lights umso mehr. Viele Berliner Sehenswürdigkeiten werden während des Festivals in der Zeit von 19:00 bis 24:00 Uhr täglich illuminiert.

Wie Tausende andere auch versammeln wir uns am Brandenburger Tor und lassen uns von der Show beeindrucken. Kurz nach Mitternacht sind wir platt und fallen ins Bett.


Sonntag, 7. Oktober 2018

Heute morgen ist Sport angesagt. Um 11:00 Uhr machen wir eine Kayak-Tour auf dem Landwehrkanal von Kreuzberg über 7,5 km durch den Tiergarten nach Charlottenburg.

Mit dem Bus fahren wir zum Treffpunkt, der nur etwa 300 m von der Haltestelle entfernt ist.

Unser Guide ist Helge und es sind noch zwei weitere Pärchen mit von der Partie. Es ist die letzte Fahrt für diese Saison und Helge ist ein wenig wehmütig. Es ist noch nicht klar, ob er nächstes Jahr wieder anheuern kann und er wird sich am kommenden Montag erst einmal arbeitslos melden.

Wir profitieren von unserer Kayak-Erfahrung in Island und paddeln nach einer kurzen Einweisung flott los.Es hat sich merklich abgekühlt, bleibt aber trocken und das ist die Hauptsache. Vorsichtshalber verstauen wir unsere Wertsachen und Fotoapparate in einem wasserdichten Sack - für den Fall des Kenterns. Deshalb gibt es keine Fotos von dieser Tour. Wir halten zwischendurch immer mal wieder an und erfahren Wissenswertes über Berlin. Naht ein ein Fahrgastschiff von hinten naht, müssen wir uns ganz dicht am Ufer halten. Die Sogwirkung der Schiffe ist nicht zu unterschätzen, hält man sich nicht am Ufer fest, zieht einen der Sog unmittelbar in Richtung Ausflugsdampfer.


Gegen 13:30 Uhr laufen wir pünktlich am Ziel in Charlottenburg ein. Am Einstein-Ufer werden wir bereits vom LKW-Fahrer, der die Boote einsammelt, erwartet. Nach 2,5 Stunden merkt man das Kayakfahren doch in den Armen, zumal es immer noch empfindlich kühl ist. Nicht nur der Junior ist ziemlich erledigt, hat sich aber bestens gehalten: für ein Rennen gegen Guide Helge auf den letzten 100m war noch Reserve vorhanden. Knapp verloren haben das Familienoberhaupt und der Junior aber dennoch.

Vom Einstein-Ufer bewegen wir uns in Richtung Strasse des 17. Juni und landen auf dem Berliner Trödelmarkt. Der Trödelmarkt findet jeden Samstag und Sonntag von 10.00 -bis 17.00 Uhr statt. Zu finden ist buchstäblich alles, was man brauchen oder auch nicht gebrauchen kann. Es gibt viele ausländische Händler, aber die typische Berliner Schnauze ist immer noch gut vertreten, das macht das Flair aus.

Die Kayaktour hat uns hungrig gemacht und ausserdem sind die Hosenbeine der Maîtresse de château nass, also ist ihr kalt. Deshalb folgen wir Helges Empfehlung und gehen in die "Tiergartenquelle" direkt am S-Bahnhof Tiergarten. Wir werden nicht enttäuscht: die Kneipe im Stil der 70er Jahre ist einfach und rustikal eingerichtet, das Personal ist freundlich und wir finden das, was wir nun brauchen: Matjesfilet und Berliner Bouletten, jeweils mit Bratkartoffeln. Die Portionen sind so reichlich, dass wir nicht einmal mehr am Abend essen müssen.

Am Nachmittag ruhen wir uns im Appartement etwas aus. Der Junior ist vollkommen platt und möchte Fernsehen. Also starten das Familienoberhaupt und die Maîtresse de château ihre Runde zu zweit: Unter den Linden in Richtung Berliner Dom bzw. Museumsinsel. Auch der Berliner Dom ist im Rahmen des Festival of Lights illuminiert, nach ausgiebigem Fotostop geht es weiter zum Alexanderplatz. Dort findet das Oktoberfest in Miniaturformat statt. Es gibt keine Fahrgeschäfte, dafür jede Menge zu essen im blau-weissen-bayerischen Flair. Die nächtliche Runde führt uns zurück zum Berliner Fernsehturm. Die Illumination ist hier besonders eindrucksvoll, weil wenig Breite, aber beachtliche Höhe zu Verfügung steht. Zum Appartement fahren wir mit dem Bus.


Montag, 8. Oktober 2018

Nach dem Frühstück marschieren wir am Brandenburger Tor vorbei zum Reichstag. Hier ist vieles abgesperrt, bedingt durch die Feierlichkeiten zum 3. Oktober sind Heerscharen von Arbeitern damit beschäfigt, Gerüste, Tribünen und Absperrungen zu demontieren und wegzutransportieren. Auch die grosse Wiese vor dem Reichstag kann nicht betreten werden, von daher bewegen wir uns weiter Richtung Bundeskanzleramt und Schweizerische Botschaft, die  sich schräg gegenüber dem Reichstag befinden. Wir haben am Freitag eine Führung durch den Reichstag gebucht, von daher haben wir mit den Abräumarbeiten kein Problem.

Entlang der Spree gehen wir anschliessend in Richtung Bahnhof Friedrichstrasse, Ziel ist der Tränenpalast. Zu unserem Bedauern stellen wir fest, dass diese historische Stätte am Montag geschlossen ist. Wie in vielen anderen Städten und Ländern haben auch in Berlin nicht alle Museen am Montag geöffnet. Nun ja, dann müssen wir es an einem anderen Tag versuchen. Wir werfen noch einen Blick durch die Glasscheiben und wandern weiter mit dem Ziel DDR-Museum. Das DDR-Museum ist geöffnet, von daher werden wir die nächsten 2,5 Stunden dort verbringen.

Schon vorab sei gesagt, ein Besuch in diesem Museum lohnt sich wirklich. Auf relativ kleiner Fläche bekommt man einen sehr guten Eindruck von der Welt des DDR-Sozialismus mit seiner ganzen Spiessigkeit und dem Irrsinn. Der Besucher wird an vielen Ständen zum interaktiven Mitmachen eingeladen, teilweise geht es auch richtig lustig zu. Öffnet man z.B. den Spind eines NVA-Soldaten, ertönt eine scharfe Kommandostimme des Kompaniefeldwebels oder wer auch immer das sein mag: "Hier sieht es ja aus wie bei Hempels hinterm Sofa. Gefreiter Schulze, 3 Wochen Scheisshausdienst!" Na ja, da fühlt man sich teilweise auch an die Bundeswehrzeit erinnert, aber unser Junior fand das sehr lustig und hat die Szene bestimmt 20mal wiederholt.

Total witzig ist auch eine komplett eingerichtete Wohnung. Hier bekommt man ebenfalls einen sehr guten Eindruck davon, wie eine Familie im Sozialismus in den eigenen vier Wänden gelebt hat, einschl. eines DDR-Fernsehers, in dem "Der schwarze Kanal" mit dem Chefagitator des Regimes, Karl-Eduard von Schnitzler, läuft. Man kann es sich gar nicht mehr richtig vorstellen, heute wirkt das alles nur noch surreal.

Vom DDR-Museum aus steuern wir die nächste Eisdiele an und gönnen uns erst einmal eine ordentliche Portion Eis.

Nächstes Ziel sind die Hackeschen Höfe am Hackeschen Markt. Die Höfe sind Deutschlands grösstes geschlossenes Hofareal und das bekannteste private Denkmal der Hauptstadt. In einem der schönen Höfe lassen wir uns in einem Cafe nieder und gönnen uns einen Capuccino mit Kuchen.

Von den Höfen ausgehend wechseln wir danach die Strassenseite und ziehen Richtung Nikolaiviertel. Na ja, das haut uns jetzt nicht so wirklich um, von daher beschliessen wir, uns den Lieblingsplatz von Gregor Gysi ( so hat er es jedenfalls einmal in einem Interview kundgetan) anzuschauen, den berühmten Gendarmenmarkt. Man muss feststellen, dass Gysi einen guten Geschmack hat, der Platz ist wirklich beeindruckend, im Hintergrund das Konzerthaus, gesäumt links und rechts vom Deutschen Dom bzw. Französischen Dom. Auf den Stufen des Konzerthauses lassen wir uns nieder und lauschen den Klängen von 2 russischen Musikern (so unsere Vermutung), der Eine spielt Geige, der Andere Cello. Man muss sagen, die Musiker spielen wirklich sehr gut. Wir geben den Beiden Geld, genau wie viele andere Besucher und Zuhörer.

Es wird langsam dämmrig und kühl, darüber hinaus haben wir Hunger. Wie gerufen stolpern wir nahezu in das Augustinerbräu am Gendarmenmarkt, eine richtig bayerische, urige und deftige Speisewirtschaft. Unten sind zwar alle Plätze belegt, aber im Obergeschoss hat es noch freie Plätze. Somit ist der Abend und das Essen gerettet. Wir essen, wie es sich gehört, Obatzer, Bratwurst mit Sauerkraut und Kartoffelbrei sowie Berliner Currywurst, das muss sein. Wir haben uns vorgenommen, in der Woche Berlin nur das Feinste und Deftigste zu essen. Mahlzeit!

Gestärkt und vom Bier beseelt steuern wir auf dem Weg ins Appartement noch die Galerie Lafayette an, die Dame des Hauses findet dort allerdings nicht das, was sie sucht. Daf¨ür ist die Galerie beeindruckend und von interessanter Innenarchitektur.

Gegen 20.00 Uhr sind wir nach einem interessanten Tag wieder im Appartement.



Dienstag, 9. Oktober 2018

Unser heutiges Ziel am Vormittag ist das Deutsche Technik-Museum, hier waren wir trotz mehrmaliger Berlinaufenthalte in der Vergangenheit noch nicht. Auch unser Kayak-Guide Helge hatte uns das im Vorbeifahren noch einmal wärmstens empfohlen.

Somit starten wir morgens nach dem Frühstück mit der S25, die uns direkt zum Anhalter-Bahnhof bringt. Von dort ist es nur noch ein kurzer Fussweg. Es ist nicht voll, mit der Berlin Welcome Card gibt es auch hier eine entsprechende Ermässigung von 25% auf den Eintrittspreis. Das Museum ist riesig gross, schon beim Studium des Lageplans ist uns klar, dass wir die Ausstellungsflächen und -hallen niemals an einem Tag bewältigen können.

Wir beginnen unsere Tour mit der Geschichte der Deutschen Luftfahrt bis 1918, zumal dort eine Vorführung mit dem Flugsimulator stattfindet. Von den 14 Kandidaten, die an der Auslosung für einen Sitz im Simulator teilnehmen, bin ich leider nicht derjenige, der das richtige Los zieht. Somit schauen wir uns in einer 20-minütigen Vorführung an, wie ein anderer Loskandidat aus dem Publikum mit einer kleinen Maschine Start, Flug und Landung neben dem Fluglehrer simuliert. So bekommt man zumindest einmal einen Eindruck davon, wie heute Piloten relativ kostengünstig, aber dennoch der Realität sehr nahe, ausgebildet werden.

Nach einem kleinen Imbiss im Museumscafe trennen wir uns, ich besuche mit dem Junior die Luftfahrtausstellung von 1918 bis heute einschliesslich der bemannten Raumfahrt, die Hausherrin entscheidet sich für die Textilausstellung im Erdgeschoss. Gegen 15.00 Uhr ist die Aufnahmekapazität im Museum erschöpft und wir beschliessen, den Besuch zu beenden. Man sollte sich in diesem Museum wirklich nur auf das beschränken, was einen interessiert, ansonsten  wird man von der Vielfalt und den vielen Stockwerken und verschiedenen Gebäuden erschlagen. Dennoch: Ein Besuch des Technik-Museums ist unbedingt empfehlenswert, bei verschiedenen Interessen bietet es sich aber an, dieses alleine zu besuchen.

Wir verlassen das Museumsgelände und fahren mit der U-Bahn zum Kurfürstendamm. Unsere erste Visite gilt der Gedächtniskirche, ein im 2. Weltkrieg zerstörtes Mahnmal gegen den Krieg. Zwischen den neuzeitlichen Hochhäusern und Gebäuden links und rechts der Kirche sieht das schon alles etwas surreal aus, gut, es ist und bleibt nunmal ein Denkmal.

Das nächste Ziel ist das KaDeWe, das Kaufhaus des Westens. Zu DDR-Zeiten und während des Kalten Krieges war dieser Konsumtempel im geteilten Berlin sicherlich ein Symbol für die Überlegenheit des kapitalistischen Wirtschaftssystems gegenüber der sozialisitischen Plan- und Mangelwirtschaft, heute hat es von seinem früheren Glanz einiges verloren. Nichtsdestotrotz lohnt sich ein Gang durch das KaDeWe noch immer, das gehört bei einem Berlinbesuch einfach dazu.

Ungeplant finden wir uns nach dem Besuch des KaDeWe plötzlich in einem Friseursalon am Kudamm wieder. Die Haare unseres Junior sind schneidebedürftig, der Salon hat nach einer kurzen Wartezeit Kapazität und so startet die Operation Haarschnitt.

Mit ordentlich geschnittenen Haaren geht es weiter in einen verdreckten Supermarkt in einer Seitenstrasse des Kudamm, unser Kühlschrank ist leer und bedarf dringend einer Auffüllung.

Mit dem Bus Linie 200 geht es dann vom Kudamm zurück zu unserem Appartement. Der Tag geht zu Ende und wir sind wieder einmal ziemlich platt.


Mittwoch, 10. Oktober 2018

Heute lassen wir es nach dem Frühstück ruhig angehen. Wir überlegen, was wir mit dem Tag bei schönem Wetter anfangen und beschliessen, den Zoologischen Garten in Berlin zu besuchen. Dieser Zoo ist der älteste in Deutschland und der artenreichste der Welt. Wir waren dort noch nie, also auf mit dem Bus Linie 200 direkt zum Zoologischen Garten. Gegen 12.00 Uhr passieren wir das Eintrittstor, auch hier haben wir dank der Berlin Card Ermässigung auf den Eintritt bekommen.

Das erste Ziel sind die Pandabären, nach eigener Aussage die einzigen in deutschen Zoos gehaltenen Pandas.

Es sind recht gemütliche Tiere, niedlich anzusehen und im Wesentlichen damit beschäftigt, 30 kg Bambus täglich zu vertilgen. Bambus ist für die Pandas das Grundnahrungsmittel und überhaupt die einzige Nahrung, die sie zu sich nehmen. Beim Menschen würde man irgendwann auf einseitige Ernährung mit Mangelerscheinungen tippen, beim Pandabären spielt das keine Rolle.

Neben den üblichen verdächtigen Tieren gefallen uns im Zoo die Fütterung der Schimpansen und Gorillas sowie die überaus aktiven Seelöwen. Auch die Flusspferde scheinen von der Berliner Luft zu profitieren, sie sind wesentlich umtriebiger als in anderen Zoos.

Vergleichen wir den Berliner Zoo mit den uns bekannten z.B. in Zürich oder Hannover, fällt doch auf, dass dieser von der Fläche her sehr viel kleiner ist. Darüber hinaus merkt man, dass dieser Zoo mitten in der Stadt, umgeben von Hochhäusern liegt. Während andere Zoos abseits von der Innenstadt und dem Verkehrslärm liegen, ist man im Berliner Zoo eben mittendrin.

Nach 6 Stunden Zoo reicht es uns, die Füsse sind wundgelaufen und wir steuern auf den Ausgang zu. Wir wandern noch etwas den Kudamm hinunter, nehmen das eine oder andere Geschäft mit und nehmen den Bus Linie 200 mit Ziel Potsdamer Platz. In der Mall of Berlin setzen wir das Shopping-Erlebnis fort, heute muss der Junior dran glauben. Die Begeisterung hält sich in Grenzen, aber wir werden doch fündig und das Gemotze hält sich in Grenzen.



Donnerstag, 11. Oktober 2018

Der Kühlschrank ist schon wieder leer, also muss sich der Hausherr in den nächsten Supermarkt bewegen, um zumindest die Grundnahrungsmittel zu beschaffen. Auf dem Weg dorthin begegnet mir eine Dame mit Trolley, die ich schon auf 100m erkenne. Es ist Frauke Petry, unverwechselbar die Kurzhaarfrisur, die hellblaue Bluse, der etwas zu lang geratene Hals und der forsche Gang. An einer Ampel stehen wir uns vis-a-vis gegenüber, sie trägt immer noch dieses schnippische und teils arrogante Grinsen im Gesicht, das man aus den Talkshows kennt. Heute wird sie ja nach ihrem Austritt aus der AFD kaum noch wahrgenommen, na ja, ihr Bundestagsmandat behält sie ja weiterhin. Nach Thilo Sarazin, den zumindest ich am Flughafen erkannt hatte, ist das nun die zweite Prominenz in Berlin gewesen, die einem in Berlin über den Weg läuft.

Nach dem Frühstück verabschiedet sich die Dame des Hauses, sie hat einen Friseurtermin in der Mall of Berlin. Dieser wird voraussichtlich 2 Stunden dauern. Der Junior und ich folgen in zeitlichem Abstand, er nimmt in der Mall ausgiebig die Rutschenröhre in Beschlag, die vom vierten OG bis in das EG führt.

Nach einem weiteren Besuch in einem Klamottenladen, diesmal Peek & Cloppenburg, kehren wir noch einmal kurz in das Appartement zurück, um den Einkauf zu deponieren. Mit den Buslinien 200 und 100 fahren wir nun zu unserem nächsten Ziel, der Siegessäule am Grossen Stern. Auf dem letzten Stück dorthin sehen wir, dass auf einer Wiese am Tiergarten sehr viele Menschen nackt in der warmen Sonne liegen. In Berlin istr eben alles möglich, auch FKK in der Stadt. Die Siegessäule vor Augen gehen wir in die Unterführung, die unter dem grossen Platz zum Denkmal führt.

Anlass zur Erbauung der Siegessäule war der Sieg Preussens im Deutsch-Dänischen Krieg 1864. Innerhalb weniger Jahre kamen zwei weitere siegreiche Kriege hinzu, der Deutsche Krieg 1866 gegen Österreich sowie der Deutsch-Französische Krieg 1870/1871. An diese drei Siege wurde durch ihre ursprünglich drei Segmente und die krönende Bronzeskulptur der Viktoria erinnert.

Wir lösen die Eintrittskarten und steigen die 285 Stufen zur ca. 50m hohen Aussichtsplattform empor. Die Aussicht von dort in die verschiedenen Himmelsrichtungen ist toll, zumal das Weiiter mitspielt, strahlend blauer Himmen und viel Sonne. Nach der üblichen Fotosession geht es abwärts und direkt gegenüber auf dem Spreeweg zum Schloss Bellevue, dem Dienstsitz des Bundespräsidenten. Er ist heute nicht anwesend, von daher gibt es nicht viel zu sehen. Auf der Wiese vor dem Schloss sitzt ein Sportler und macht wie wild Bauchmuskeltraining, vielleicht denkt er bei den Sit-Ups an den Bundespräsidenten Steinmeier und holt sich so seine Motivation.

Mit den Buslinien 100 und 200 geht es wieder zurück ins Appartement an der Behrenstrasse, wir ziehen uns um und bereiten uns auf die abendliche Show vor. Um 18.00 Uhr heisst es heute: Blue Man Group am Potsdamer Platz. Wir haben noch reichlich Zeit, von daher gehen wir zu Fuss zum Theater.

Die Blue Man Group existiert seit 30 Jahren, die erste Performance fand wohl 1987 im Central Park in New York statt. Wir haben die Blue Man Group schon einmal in grauen Vorzeiten erlebt, wissen allerdings nicht mehr, wann das genau war. Auf jeden Fall ist die Show immer noch so wie früher, Musik, Trommelwirbel, Zirkusclownerie und viel Performance, bei dem auch das Publikum miteinbezogen wird. Wir sitzen in Reihe 5 und tragen wie alle Publikumsgäste in den ersten Reihen einen durchsichtigen Poncho, der uns vor bestimmten Dingen schützen soll. Dennoch bekommen wir bei einer Performance flüssige Banane auf Hose, Arme und Brille ab, das ist zwar eklig, gehört aber dazu.

Nach der Show gehen wir auf die Toiletten, um die Bananenreste mit Wasser zu entfernen, ich reinige den versauten Ärmel meines Hemdes und trockne diesen in einem Dyson-Händetrockner. Funktioniert ganz gut.

Am Potsdamer Platz steuern wir ein Maredo-Steakrestaurant an, wir haben Hunger und gönnen uns ein paar ordentliche Steaks mit Ofenkartoffel bzw. Pommes. Das Personal ist mächtig unter Stress, unsere Bedienung hat ein richtig nasses und durchgeschwitztes Gesicht, dennoch ist es für Berliner Verhältnisse recht freundlich.

Nach Verlassen des Restaurants stehen wir inmitten auf dem Potsdamer Platz und lassen die Lichtershow Festival of Lights über uns ergehen. Das sieht wieder einmal toll, wie die Fassaden der Häuser mit tausend Lichteffekten illuminiert werden.

Vom Potsdamer Platz geht es nach Hause, am Denkmal zum Führerbunker findet gerade eine amerikanische Führung statt, der wir unbemerkt zuhören können. In Berlin hat man einfach das Gef¨ühl, dass jeder Meter, den man läuft, etwas zu erzählen hat. Auf dem Platz mit dem Denkmal für die ermordeten Juden befanden sich z.B. vor dem Krieg die Ministergärten, u.a. stand dort die Villa des Reichspropagandaministers Goebbels. Geschichte überall, fast an jedem Haus steht ein Hinweisschild, wer da einmal gelebt und gewirkt hat.

Freitag, 12. Oktober 2018

Heute ist schon wieder der letzte Tag angebrochen. Wir packen unsere Sachen und checken gegen 10.00 Uhr aus.

Kurzfristig entschliessen wir uns dazu, unser Gepäck bereits jetzt am Flughafen abzugeben, um den Tag dann ohne Gepäck und Zeitfenster bis zum Abflug am Abend geniessen zu können. Der Flughafenbus TXL bringt uns zum Airport, am Schalter von Easyjet erfahren wir allerdings, dass wir das Gepäck erst frühestens 2-3 Stunden vor Abflug abgeben können. Easyjet ist eben nicht SWISS, so müssen wir umdisponieren und Reisetasche und Trolley bei der Gepäckaufbewahrung im Service Center des Terminal A deponieren. Mit dem nächsten Bus geht es sofort wieder retour mit dem Ziel Brandeburger Tor. Das war allerdings ein Wunschdenken, vor dem Hauptbahnhof nimmt der Verkehr zu, die Baustellen geben den Rest, es geht nichts mehr. Von daher steigen wir am Bahnhof und laufen zu Fuss zum Brandenburger Tor.

Um 12.30 Uhr haben wir eine Führung zum Reichstag gebucht, die Dame ist wie vereinbart pünktlich am Treffpunkt. Zur Einstimmung erzählt sie uns viele interessante Dinge über Berlin, das Brandenburger Tor, die Mauer und den Reichstag. Gemeinsam mit zwei anderen Familien melden wir uns dann im Reichstag zur Besichtigung des Plenarsaals und der Reichskuppel an. Die Sicherheitskontrollen entsprechen denen auf einem Flughafen, mit Wertsachen abgeben, Gepäck durchleuchten, freundlich gucken etc.

Wir nehmen auf der Tribüne des Bundestages statt, unten im Plenum wird die Umsetzung der EU-datenschutzverordnung diskutiert. Die Aussprache leitet Wolfgang Kubicky, wir erkennen unter den anwesenden Politikern Alexander Graf Lambsdorff von der FDP, Petra Pau und Katja Kipping von der Linke. Ansonsten ist das Plenum recht spärlich besetzt, i.d.R. nehmen an diesen Sitzungen auch nur die Fachreferenten der Parteien teil.

Nach ca. 30 Minuten machen wir uns dann auf, um die Reichskuppel zu erklimmen. Mit einem Audioguide bewaffnet starten wir den Aufgang. Die Kuppel mit der Architektur sind schon wirklich faszinierend, der Audioguide gibt dazu noch einmal Erläuterungen zur Berliner und Deutschen Geschichte sowie zur Architektur selber.

Die Aussicht ist phantastsich, nach dem Abgang halten wir uns noch eine Weile auf der Terrasse des Reichstrages auf. Hier treffen wir sehr viele ausländische Besucher sowie zahlreiche Schulklassen mit den Lehrkräften.

Nach 2 Stunden verlassen wir den Reichstag und werden auf der Rückseite Zeuge, wie der Ministerpräsident von Slowenien verabschiedet und mit Polizeieskorte sowie Personenschutz wahrscheinlich zum Flughafen gebracht wird.

Mit der U-Bahn fahren wir nun vom Bahnhof Friedrichstrasse zum Alexanderplatz, dort ist immer noch Oktoberfest. Wir wollen zum Abschied von Berlin noch einmal richtig gesund und deftig essen, somit ersteigern wir jeweils eine Krakauerwurst mit Bratkartoffeln bzw. Champignons. Das Wetter ist herrlich, wir sitzen im Biergarten und geniessen die Sonnenstrahlen.

Zum Abschluss möchten wir noch einmal die Karl-Marx-Alle zu Fuss vom Alexanderplatz ostwärts laufen. Schon während der Trabisafari hat uns diese Alle fasziniert, die Architektur der Wohnblöcke links und rechts im stalinistischen Stil, die Breite der Allee und das ganze Flair erinnern an St. Petersburg bzw. Riga.. Sozialistischer Baustil in höchster Vollendung, beeindruckend und unheimlich zugleich.

Es wird langsam dämmrig, wir schaffen es noch bis zum Frankfurter Tor. Dort beschliessen wir, mit der Ring-S-Bahn 42 bis zur Beusselstrasse zu fahren und von dort mit dem Flughafenbus zum Airport.

Der Abflug ist um 21.20 Uhr geplant, los geht es um 21.50 Uhr, weil es Passagiere immer wieder schaffen, mit übergrossen Handgepäck ins Flugzeug zu kommen. Schlussendlich muss das Gepäck, das nicht verstaut werden kann, wieder im Flugzeugbauch per Hand eingeladen werden. 

Der Urlaub geht nun mit der Landung in Zürich zu Ende, gegen Mitternacht sind wir zu Hause angekommen.

Fazit:

Berlin ist immer eine Reise wert, eine tolle Stadt mit Sehenswürdigkeiten ohne Ende. Unsere nächste Berlinreise führt uns dann sicherlich in die Aussenbezirke, die wir dieses Mal nicht geschafft haben, wie z.B. Potsdam, Babelsberg, Prenzlauer Berg, Köpenick, Wannsee, Grunewald etc.

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